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Die Küste bei Artà aus der Luft

Foto: Andreas Geissler · Pexels

Inselguide · Region

Der Nordosten

Zwischen Artà und Cala Millor liegen zwei Mallorcas: eine dicht bebaute Badeküste und ein fast leerer Norden, der seit 2023 wieder Naturpark ist. Dazwischen stehen drei Orte, in denen das ganze Jahr über gewohnt wird. Dieses Kapitel ordnet die Gegend ein und sagt auch, was daran unbequem ist.

Im Nordosten laufen die Serres de Llevant ans Meer. Das sind Hügel zwischen 200 und gut 550 Metern, bewachsen mit Kiefer, Zwergpalme und Ginster, dazwischen Trockenmauern und Mandelfelder; höchster Punkt der Gegend ist die Talaia Freda mit 562 Metern im Gemeindegebiet von Artà. Wer aus der Inselmitte kommt, merkt den Wechsel an der Straße: Die Ebene um Manacor hört auf, die Kurven fangen an.

Die Küste ist zweigeteilt, und zwar deutlich. Zwischen Cala Rajada — amtlich katalanisch so geschrieben, im Deutschen meist Cala Ratjada — und Cala Millor steht der Pauschaltourismus der sechziger bis achtziger Jahre dicht an der Wasserlinie; allein in der Gemeinde Capdepera zählt man rund 78 Hotels mit gut 15.500 Zimmern, und Cala Millor ist eines der größten Bettenzentren der Balearen. Nördlich von Capdepera und Artà hört die Bebauung fast schlagartig auf: Cap de Ferrutx, Cala Torta, s'Arenalet des Verger — dort gibt es keine Hotelzeile, keine Strandbar und streckenweise keinen Asphalt.

Dieser leere Teil ist seit 2023 wieder ein großes Schutzgebiet. Der Parc natural de la península de Llevant, 2001 ausgewiesen, 2003 nach Einsprüchen von Grundeigentümern um über neunzig Prozent auf gut 1.600 Hektar zusammengestrichen, wurde im Februar 2023 per Dekret der Balearenregierung auf rund 17.000 Hektar erweitert, davon etwa 10.900 Hektar Land und 6.200 Hektar Meeresfläche. Das ist kein Verwaltungsdetail, sondern im Alltag spürbar: Die Anfahrt mit dem Auto zu Cala Torta, Cala Mitjana und Cala Estreta ist inzwischen untersagt, und die Parkplatzfrage an der Cala Agulla hängt unmittelbar damit zusammen.

Die Orte sind schnell sortiert. Artà und Capdepera liegen im Land, jeder an einem Hügel, über dem einen eine ummauerte Wallfahrtskirche, über dem anderen eine Burganlage; Son Servera liegt weiter südlich am Fuß des Puig de sa Font. An der Küste hängen daran Cala Rajada, Cala Mesquida, Canyamel, Cala Millor mit Cala Bona und sa Coma sowie, auf der anderen Seite des Gebirges an der Bucht von Alcúdia, die Colònia de Sant Pere. Verwaltungsgeschichtlich war das lange eine Einheit: Bis ins 19. Jahrhundert gehörte alles zu Artà. Son Servera löste sich zuerst — 1812 unter der Verfassung von Cádiz, 1820 erneut, 1824 wieder verloren, endgültig eigenständige Gemeinde ab 1837. Capdepera folgte 1858 und trennte sich dabei sowohl von Artà als auch von Son Servera.

Wer hier unterwegs ist, wechselt mit der Jahreszeit. Von Mai bis Oktober sind es Badegäste, dazu Radfahrer und Wanderer, im Hochsommer Mietwagenkolonnen auf der Ma-15. Von November bis März bleiben in den Badeorten die Dauerbewohner und ein paar offene Bars, während Artà, Capdepera und Son Servera mit Markt, Schule und Arzt weiterlaufen. Wirtschaftlich lebt der Nordosten vom Tourismus, daneben von Landwirtschaft und in Artà bis heute vom Flechten mit Zwergpalmblättern, der llata.

Für wen
Für Käufer, die einen Ort mit Alltag wollen: Artà, Capdepera und Son Servera haben Markt, Schule und Arzt und laufen auch im Februar, ans Wasser sind es von dort zehn bis fünfzehn Autominuten. Nicht geeignet für Leute, die abends Auswahl brauchen oder im Hochsommer Ruhe direkt an Cala Agulla, Cala Mesquida oder der Promenade von Cala Rajada erwarten; nach Palma ist es gut eine Stunde pro Richtung.
Anreise
Vom Flughafen über die Ma-19 auf die Ma-15, die einzige durchgehende Verbindung nach Osten: vierspurig nur bis Manacor bei Kilometer 47, danach Landstraße mit Ortsdurchfahrten und rund achtzehn Kreisverkehren — nach Cala Millor etwa 60 bis 75 Minuten, nach Cala Rajada eher 70 bis 80. Eine Bahn gibt es nicht; die Strecke Manacor–Artà fuhr von 1921 bis 1977, ihre Trasse ist seit 2014 die Vía Verde, ein rund 29 Kilometer langer Rad- und Wanderweg.
Im Winter
In den Badeorten schließt zwischen November und März das meiste, in Cala Rajada bleiben außerhalb der Saison nur wenige Bars an der Promenade offen; Artà, Capdepera und Son Servera laufen mit Wochenmärkten, Schulen und Ärzten weiter, ebenso die beiden Häuser Teatre d'Artà und Auditòrium Sa Màniga. Der wichtigste Termin des Winters ist Sant Antoni Abat am 17. Januar, in Artà und Capdepera ein Fest der Einheimischen und kein Touristenprogramm — und wer hier kaufen will, sollte den Ort im Januar gesehen haben, nicht nur im August.
Strand von Cala Millor am frühen Morgen
Strand von Cala Millor am frühen MorgenFoto: Joerg Hartmann · Pexels

Orte im Der Nordosten

Ortskern, Umland, Küste: drei Märkte, die wenig miteinander zu tun haben

Die erste Schicht sind die alten Ortskerne von Artà und Capdepera: Reihen- und Stadthäuser aus Naturstein, oft alt, oft sanierungsbedürftig, häufig ohne eigenen Stellplatz und über Gassen erschlossen, in die ein größerer Wagen nicht passt. Wer hier kauft, sollte vor dem Notartermin wissen, was am Gebäude unter Ortsbild- oder Denkmalschutz fällt; das betrifft in der Regel Fassade, Fenster und Dach und entscheidet darüber, wie lange eine Genehmigung dauert und was eine Sanierung überhaupt zulässt. Fragen Sie außerdem konkret nach, wo der nächste dauerhafte Stellplatz ist — nicht theoretisch, sondern an einem Dienstagvormittag mit Markt.

Die zweite Schicht ist das Umland, vor allem in der flächengroßen Gemeinde Artà: Fincas mit großen Grundstücken, Natursteinfassaden und entsprechendem Unterhalt. Auf Landflächen entscheidet nicht das Exposé, sondern die Genehmigungslage — ob das Haus vollständig eingetragen und als bewohnbar erklärt ist, ob Anbauten legalisiert sind, woher das Wasser kommt und ob der Brunnen angemeldet ist, wie Strom und Abwasser gelöst sind, und ob die Zufahrt über eigenen Grund führt oder über ein Wegerecht, das schriftlich bestehen muss. Seit der Parkerweiterung von 2023 liegt zudem deutlich mehr Fläche im Norden innerhalb der Parkgrenze; was dort baulich und bei der Nutzung möglich ist, hängt am Schutzstatus der jeweiligen Zone und gehört vor dem Kauf geklärt, nicht danach.

Die dritte Schicht ist die Küste, und sie ist in sich sehr verschieden. Costa dels Pins und der Nordteil von Canyamel sind Villenlagen mit Golfplatz; Cala Millor, Cala Bona, sa Coma und Cala Rajada sind Wohnungsmärkte mit hoher Hoteldichte in direkter Nachbarschaft, mit allem, was dazugehört: Saisonbetrieb, Lieferverkehr am frühen Morgen, Lärm bis in die Nacht und älterer Bestand, dessen Zustand man an den Protokollen und Rücklagen der Eigentümergemeinschaft abliest, bevor man über den Preis spricht. Die Colònia de Sant Pere ist der Sonderfall — ein Ort mit einem einzigen Hotel, Sackgassenlage, wenig Durchgangsverkehr und dünner Versorgung im Winter. Eine Ferienvermietlizenz gehört nirgends automatisch zum Objekt: Sie hängt an Zone, Gebäudeart und, bei Wohnungen, an der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft, und sie ist amtlich nachprüfbar — tun Sie das vor dem Kauf. Und rechnen Sie damit, dass kommunale Entscheidungen eine Lage schneller verändern als jede Marktprognose: Der geschlossene Parkplatz an der Cala Agulla hat für die Nachbarschaft mehr bewegt als alles, was in Maklerberichten über den Nordosten steht.

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Woher die Angaben stammen

  • Ajuntament de Capdepera, Darstellung der Gebietsteilung des Terme d'Artà 1812 bis 1858
  • Ajuntament de Son Servera
  • Ajuntament d'Artà
  • Govern de les Illes Balears, Dekret 8/2023 zur Erweiterung des Parc natural de la península de Llevant
  • Conselleria d'Agricultura, Pesca i Medi Natural, Zufahrtsverbote für Cala Torta, Cala Mitjana und Cala Estreta
  • Parc natural de la península de Llevant, Infozentrum s'Alqueria Vella
  • Agència d'Estratègia Turística de les Illes Balears (illesbalears.travel) zu Ses Païsses und zum Garten Sa Torre Cega
  • Betreiber der Coves d'Artà
  • Spain.info, Tourismusportal Spaniens, zur Torre de Canyamel
  • Visit Capdepera, Gemeindeportal zum Mercat Medieval
  • Teatre d'Artà und Auditòrium Sa Màniga
  • Club de Golf Son Servera
  • Mallorca Magazin, Berichterstattung zum Parkplatz an der Cala Agulla
  • Wikipedia auf Katalanisch, Spanisch, Deutsch und Englisch zu den Orten, zur Ma-15 und zum Naturpark, als Einstieg und mit den vorgenannten Stellen abgeglichen

Bildnachweis

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  • Andreas Geissler
  • Artem Zhukov
  • Joerg Hartmann
  • Margo Evardson

Öffnungszeiten, Zufahrtsregeln und Buslinien ändern sich. Der Guide nennt sie nur dort, wo sie belegt sind, und sagt sonst, worauf zu achten ist. Stand dieser Seite: 24.09.2026. Wenn Ihnen etwas auffällt, das nicht mehr stimmt, schreiben Sie mir.