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Inselguide · Region
Der Westen und die Tramuntana
Die Serra de Tramuntana zieht sich rund neunzig Kilometer von der Insel Sa Dragonera bis zum Cap de Formentor und ist dabei nur zehn bis zwanzig Kilometer breit. Alles, was in diesem Streifen bewohnt ist, klemmt zwischen Fels und Meer. Dieses Kapitel beschreibt die neun Orte, die man im Westen kennen sollte, die Zufahrtsregeln, die sich dort gerade jedes Jahr ändern, und das, was beim Kauf eines Hauses in dieser Gegend wirklich zählt.
Der Westen ist kein Landstrich, sondern eine Kante. Das Gebirge fällt an vielen Stellen unmittelbar ins Meer, und die Orte sitzen in Talmulden und auf Terrassen dazwischen. Der höchste Berg der Insel, der Puig Major in der Gemeinde Escorca, trägt seit den fünfziger Jahren eine Radarstation; der Gipfel ist militärisches Gelände und für Besucher gesperrt. Das ist kennzeichnend für die Region: Vieles, was man von der Straße aus sieht, kann man nicht betreten.
Die Landschaft sieht unberührt aus und ist es nicht. Sie besteht aus Trockenmauern, Terrassen, Kanälen und Sammelbecken, von denen ein Teil noch aus arabischer Zeit stammt, und wird seit 2011 als Kulturlandschaft von der UNESCO geführt. Geschützt ist also nicht das einzelne schöne Haus, sondern das Zusammenspiel aus Mauerwerk, Wasserführung und Ortsbild. Wer das im Kopf hat, versteht, warum hier fast jede bauliche Veränderung genehmigungspflichtig ist und warum ein herausgebrochener Mauerabschnitt ein Verwaltungsvorgang wird.
Zu Fuß erschließt sich die Region am besten. Der Weitwanderweg GR 221, die Ruta de Pedra en Sec, wird vom Consell de Mallorca unterhalten, führt in acht Etappen vom Port d'Andratx bis zum Cap de Formentor und ist von den geplanten rund 350 Kilometern bislang gut 260 Kilometer ausgeschildert. Er berührt Esporles, Banyalbufar, Valldemossa, Deià und Sóller. Das eindrücklichste Teilstück ist der Barranc de Biniaraix oberhalb von Sóller: eine gepflasterte Treppe mit 1.932 Stufen, einst Pilgerweg nach Lluc, seit 1994 als Kulturgut geschützt.
Wirtschaftlich lebte diese Küste lange nicht vom Tourismus. Sóller wurde im 19. Jahrhundert mit Orangen wohlhabend, die nach Frankreich gingen; als die Zitruskrise kam, wanderten viele ins Languedoc aus und kehrten Jahrzehnte später zurück, was man dem örtlichen Dialekt bis heute anhört. Valldemossa lebt seit fast zwei Jahrhunderten von einem einzigen Winter, den Frédéric Chopin und George Sand dort verbrachten. Deià wurde über Robert Graves erst Schriftsteller-, dann Prominentendorf. Heute kommen über eine Million Besucher im Jahr allein nach Valldemossa, wo in der Gemeinde 2.038 Menschen gemeldet sind, im Dorf selbst 1.765.
Genau daraus folgt der Zustand, der die Region derzeit prägt: Die Gemeinden teilen den Zugang zu. Sóller hat im Frühjahr 2026 eine kameraüberwachte Umweltzone im Zentrum eingeführt, Valldemossa weitet die gebührenpflichtigen Zonen schrittweise auf das ganze Dorf aus, an der Straße zur Cala Deià steht eine Schranke, die nur öffnet, wenn unten ein Platz frei ist, und für die Straße nach Sa Calobra gilt seit 2017 ein Tageskontingent für Reisebusse. Wer hier unterwegs ist oder kauft, sollte diese Regeln nicht als Schikane lesen, sondern als das, was sie sind: die Folge von zu vielen Fahrzeugen auf zu wenig Asphalt.
- Für wen
- Für Leute, die Landschaft über Strand stellen, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind und Serpentinen, enge Gassen und weite Wege zum Einkaufen in Kauf nehmen. Nichts für alle, die Sandstrand in Laufweite brauchen oder einen Neubau suchen: Auf unbebautem rústico ist Wohnungsneubau hier im Grundsatz nicht vorgesehen.
- Anreise
- Vom Flughafen führt jeder Weg nach Nordwesten erst um Palma herum; Luftlinie sind es nach Esporles gut 18, nach Valldemossa rund 20 und nach Sóller etwa 24 Kilometer, auf der Straße jeweils deutlich mehr und je nach Verkehr eine halbe bis dreiviertel Stunde. Nach Sóller geht es durch den 3.023 Meter langen Tunnel der Ma-11, der seit Ende Dezember 2017 ohne Maut befahrbar ist, oder über die alte Passstraße Ma-11A am Coll de Sóller; ohne Auto bleiben der Schmalspurzug ab Palma und die Linienbusse des Inselverbunds TIB entlang der Küstenstraße Ma-10.
- Im Winter
- Die Saison läuft etwa von Ostern bis Ende Oktober; danach schließen in Deià, Banyalbufar und Estellencs viele Lokale und Hotels, während Sóller, Port de Sóller, Esporles und Bunyola weiterlaufen, weil dort genug Menschen fest wohnen. Es ist zugleich die nasseste Ecke der Insel – in den höheren Lagen der Gemeinde Escorca fallen im Jahr etwa 1.000 Liter pro Quadratmeter, und gelegentlich liegt Schnee –, weshalb November bis März die ehrlichste Zeit für eine Besichtigung ist.

Orte im Der Westen und die Tramuntana
Valldemossa
DorfDas meistbesuchte Bergdorf der Insel: über eine Million Gäste im Jahr treffen auf gut zweitausend gemeldete Einwohner.
Die Kartause geht auf einen königlichen Palast zurück; 1399 übergab Martí l'Humà den Besitz an den Kartäuserorden, der bis zur Enteignung von 1835 blieb. Die Klosterkirche wurde ab 1751 gebaut, die Anlage steht seit 1971 unter Denkmalschutz und ist heute Museum, Apotheke und Ausstellungshaus in einem. In zwei der Zellen wird an den Winter 1838/39 erinnert, den Frédéric Chopin und George Sand hier verbrachten und in dem ein Teil der Préludes op. 28 entstand. Dass ein durchnässter, unbequemer Winter zweier Fremder bis heute den Ort trägt, ist die eigentliche Geschichte von Valldemossa.
Die zweite Figur des Dorfes ist Caterina Tomàs, 1531 hier geboren, 1574 in Palma gestorben, 1792 seliggesprochen und 1930 von Pius XI. heiliggesprochen. Sie war die erste auf Mallorca geborene Person, die kanonisiert wurde – der zweite war Juníper Serra aus Petra, und zwar erst 2015. Seit den sechziger Jahren hängen an vielen Hauswänden Kachelbilder mit Szenen aus ihrem Leben; am 28. Juli zieht der geschmückte Triumphwagen durch die Gassen.
Zur Gemeinde gehören mehrere kleine Siedlungen, darunter der Port de Valldemossa mit 23 gemeldeten Einwohnern. Dorthin führt nur die Ma-1131, sehr schmal, sehr kurvig und auf 16,5 Tonnen begrenzt; im Juli und August verkehrt ein Kleinbus. Gegessen wird im Dorf Coca de patata, ein weiches Kartoffelgebäck, meist mit Mandelmilch. Wer um acht Uhr morgens da ist oder nach dem Abendessen bleibt, sieht ein anderes Valldemossa als die Busgruppen.
- Bekannt für
- Die Kartause, den Winter von Chopin und George Sand und die heilige Caterina Tomàs.
- Gut zu wissen
- Die Gemeinde weitet die gebührenpflichtigen blauen Zonen Schritt für Schritt aus, erklärtes Ziel ist das ganze Dorf; Anwohner bekommen eine eigene Fläche am Ortseingang hinter einer Schranke. Rechnen Sie damit, dass Sie in der Hochsaison mittags weder im Ort noch am Rand einen Platz finden, und kommen Sie früh, spät oder mit dem Bus ab Palma.

Valldemossa vor den Bergen der TramuntanaFoto: Guerrero De la Luz · Pexels Deià
DorfHangdorf über dem Meer mit 741 Einwohnern, literarischer Vergangenheit und Preisen, die dazu passen.
Robert Graves kam 1929 mit Laura Riding hierher, verließ die Insel 1936 mit dem Bürgerkrieg und kehrte 1946 zurück. Er starb am 7. Dezember 1985 und liegt auf dem kleinen Friedhof an der Kirche oben im Ort. Sein Haus Ca n'Alluny, das er sich 1932 bauen ließ, ist seit dem 20. Juli 2006 als Museum zugänglich. Dass aus dem Schriftstellerdorf ein Prominentendorf wurde, lässt sich an der Bausubstanz ablesen: Fast jedes alte Haus am Hang ist inzwischen saniert.
Zwischen Deià und Valldemossa liegt an der Ma-10 das Landgut Son Marroig, das Erzherzog Ludwig Salvator erwarb und das seit den späten zwanziger Jahren Museum ist; seit 1993 steht es unter Denkmalschutz. Der weiße Rundtempel aus Carrara-Marmor mit acht ionischen Säulen steht über der durchbohrten Felsnase Sa Foradada. Seit 1978 findet in Deià ein Kammermusikfestival statt, das auf dem Gut einen seiner Spielorte hat.
Die Cala Deià liegt rund drei Kilometer unterhalb des Dorfes: Kiesel, Fels, ein paar einfache Fischlokale, kein Sandstrand. Wandertechnisch ist der Ort dagegen erstklassig gelegen, der Küstenweg nach Sóller gehört zum GR 221, und oberhalb des Ortes liegt eine der Schutzhütten des Weges.
- Bekannt für
- Robert Graves, das Landgut Son Marroig und die Kieselbucht Cala Deià.
- Gut zu wissen
- An der Straße hinunter zur Cala Deià steht eine automatische Schranke, die nur öffnet, solange unten ein Stellplatz frei ist. In der Hochsaison heißt das: rund drei Kilometer bergab laufen und dieselbe Strecke bergauf zurück – bei Hitze am späten Nachmittag kein Spaziergang.

Straßenszene in DeiàFoto: Raymond Petrik · Pexels Sóller
StadtDie einzige richtige Stadt im Gebirge, mit knapp 14.000 Einwohnern, Bahnhof, Wochenmarkt und Alltag auch im Januar.
Sóller liegt in einer Talmulde zwischen Puig Major und Meer und hat 13.882 Einwohner (Stand 2025). Es ist der einzige Ort im Westen mit vollem Alltagsbetrieb: Schulen, Ärzte, Behörden, Geschäfte, Markt am Samstag. Der Wohlstand des 19. Jahrhunderts kam aus dem Orangenhandel mit Frankreich, und als der zusammenbrach, gingen ganze Familien ins Languedoc. Die zurückgekehrten Auswanderer haben französische Lehnwörter im Dialekt hinterlassen und die herrschaftlichen Häuser um den Platz bezahlt. Die modernistische Fassade der Pfarrkirche Sant Bartomeu entwarf 1904 Joan Rubió, ein Mitarbeiter Gaudís.
Der Schmalspurzug nach Palma gehört einer privaten Gesellschaft, fuhr erstmals am 16. April 1912, hat 914 Millimeter Spurweite, überwindet auf gut 27 Kilometern das Gebirge und ist seit Juli 1929 elektrisch unterwegs. Die Straßenbahn hinunter zum Hafen fährt seit Oktober 1913 auf knapp fünf Kilometern; ein Teil der Wagen stammt aus dem Eröffnungsjahr, andere sind ehemalige Lissabonner Fahrzeuge. Beide werden heute als Sehenswürdigkeit betrieben und nicht als Nahverkehr – wer nur von A nach B will, ist mit Bus oder Auto schneller und günstiger dran.
Seit der Tunnel Ende 2017 mautfrei ist, liegt Sóller etwa eine halbe Stunde von Palma entfernt. Das hat den Ort verändert: mehr Tagesgäste, mehr Zweitwohnsitze, mehr Verkehr in einem Zentrum, das für Maultiere gebaut wurde. Die Stadt hat darauf im Frühjahr 2026 mit einer Umweltzone reagiert.
- Bekannt für
- Das Orangental, den Schmalspurzug von 1912 mit seiner Straßenbahn und den Samstagsmarkt.
- Gut zu wissen
- Die Umweltzone im historischen Zentrum wird per Kamera kontrolliert, das Bußgeld liegt im dreistelligen Bereich und wird bei Mietwagen häufig direkt über die hinterlegte Kreditkarte eingezogen. Besucher stellen das Auto auf einem der drei Randparkplätze mit zusammen rund 300 gebührenpflichtigen Plätzen ab; grün markierte Flächen sind angemeldeten Anwohnern vorbehalten, und Hotelgäste klären die Zufahrt vorher mit der Unterkunft.

Die hölzerne Straßenbahn in SóllerFoto: Lars H Knudsen · Pexels Port de Sóller
HafenortDer einzige geschützte Naturhafen zwischen Andratx und Pollença und damit der einzige Ort an dieser Küste, der auch im Winter trägt.
Die Bucht ist an der Einfahrt rund 450 Meter breit und öffnet sich innen auf etwa 830 Meter – auf hundert Kilometer Steilküste gibt es nichts Vergleichbares. 2.485 Menschen sind hier gemeldet (Stand 2025), genug für Bäcker, Supermarkt und Lokale, die auch im Februar offen haben. Über der Bucht steht die Torre Picada, ein Wachturm des 16. Jahrhunderts aus der Zeit der Korsarenangriffe.
Am westlichen Kap steht der Far de Cap Gros, seit dem 20. Februar 1859 in Betrieb; der Turm misst 22 Meter, das Feuer liegt 120 Meter über dem Meer. Der Weg hinauf ist die lohnendste Stunde, die man hier verbringen kann, vor allem am späten Nachmittag. Die Straßenbahn aus Sóller endet direkt am Wasser, und oberhalb des Ortes liegt eine Schutzhütte des GR 221.
Gebadet wird an zwei flachen Stadtstränden. Das ist bequem, aber nicht der Grund, warum man in die Tramuntana fährt; wer Buchten sucht, ist an dieser Küste fast immer auf Kiesel, Fels und einen steilen Zustieg eingestellt.
- Bekannt für
- Den Naturhafen, die Straßenbahn aus Sóller und die Ausflugsboote nach Sa Calobra.
- Gut zu wissen
- Wer die Serpentinen nach Sa Calobra nicht fahren will, nimmt hier das Boot – es verkehrt aber nur in der Saison und fällt bei unruhiger See aus, dann bleibt nur die Straße. Im Ort selbst ist die Promenade weitgehend autofrei, das Parken findet am Rand statt.

Die Bucht von Port de Sóller mit BootenFoto: Cristhian David Duarte · Pexels Fornalutx
DorfTreppendorf über dem Orangental mit 743 Einwohnern, ausgezeichnet und seither entsprechend besucht.
Fornalutx liegt auf etwa 140 Metern am Hang oberhalb von Sóller und hatte 2025 genau 743 Einwohner. Der Kern besteht aus Bruchsteinhäusern und Gassen, die in Wahrheit Treppen sind. 1983 erhielt der Ort den zweiten nationalen Preis für gepflegte spanische Dörfer, 2017 wurde er als erste Gemeinde der Balearen in die spanische Vereinigung der schönsten Dörfer aufgenommen. Hotelanlagen hat das nicht gebracht: Es ist bis heute vor allem ein Wohndorf mit ein paar Lokalen am Platz und Zitronenbäumen in den Gärten.
Am 8. September, zum Patronatsfest, findet der Correbou statt, ein Stiertreiben durch die Gassen. Fornalutx ist das einzige Dorf Mallorcas, in dem dieser Brauch überlebt hat; seit 2017 wird das Tier nicht mehr getötet, sondern angeleint durch den Ort geführt. Tierschützer protestieren trotzdem regelmäßig, und wer den Ort ernsthaft in Betracht zieht, sollte wissen, dass dieses Thema hier jedes Jahr aufflammt.
Der schönste Zugang ist der Fußweg. Von Sóller über das Nachbardorf Biniaraix geht es in knapp einer Stunde herauf, und wer weiter will, steigt durch den Barranc de Biniaraix mit seinen 1.932 gepflasterten Stufen ins Gebirge – der alte Pilgerweg nach Lluc und heute Teil des GR 221.
- Bekannt für
- Die Treppengassen, die Bruchsteinhäuser und den Correbou am 8. September.
- Gut zu wissen
- Der Parkplatz am Ortseingang ist in der Hochsaison schon vormittags voll, und die Zufahrt von Sóller herauf ist schmal; mit einem breiten Fahrzeug ist nicht die Steigung das Problem, sondern das Wenden und die Begegnung. Gehen Sie zu Fuß hinauf oder nehmen Sie den Bus.
Banyalbufar
DorfTerrassendorf an der Steilküste mit rund 570 Einwohnern und etwa 2.000 Trockenmauerterrassen.
Der Hang, auf dem der Ort steht, besteht praktisch vollständig aus Menschenwerk: rund 2.000 gestufte Terrassen, ursprünglich für den Malvasia-Weinbau angelegt, der ab dem 16. Jahrhundert an Bedeutung gewann und am aragonesischen Hof geschätzt wurde. Die Reblaus beendete das 1891; heute gibt es wieder kleine Pflanzungen. Entscheidend für das Ortsbild ist aber das Wasser: Kanäle und Sammelbecken, zu großen Teilen noch aus arabischer Zeit, verteilen es bis heute über die Terrassen.
Der Name selbst stammt aus dem Arabischen. Der zweite Teil, al-bahar, heißt Meer; über den ersten sind sich die Quellen uneins, gelesen wird er als Weinberg oder als Gebäude. Weinberg am Meer oder Haus am Meer – beides passt zu dem, was man sieht.
Oberhalb an der Ma-10 steht die Torre des Verger, auch Mirador de ses Ànimes genannt, ein Wachturm des 16. Jahrhunderts direkt an der Straße mit Blick über die gesamte Steilküste; der Halteplatz davor ist klein. Unten am Ort liegt eine kleine Kiesbucht, erreichbar über einen steilen Weg. Weiter nördlich führt eine schmale Waldstraße hinunter zum Port des Canonge, einer Handvoll Fischerhäuser mit grobem Kiesel und sehr wenigen Stellplätzen.
- Bekannt für
- Die Terrassen und Trockenmauern, den Malvasia-Wein und den Wachturm Torre des Verger.
- Gut zu wissen
- Stellen Sie das Auto am Ortsrand ab und gehen Sie hinein – im Ort selbst ist Wenden nirgends selbstverständlich, weil jede Gasse am Hang liegt. Von Banyalbufar führt der alte Postweg Camí des Correu über den Berg nach Esporles; zu Fuß ist das ein halber Tag, und es ist die beste Art, die Terrassenlandschaft von oben zu sehen.

Terrassenküste bei BanyalbufarFoto: Lisette Harzing · Pexels Esporles
DorfWohnort statt Ausflugsziel: 5.264 Einwohner, gut 18 Kilometer Luftlinie vom Flughafen, mit allem, was man täglich braucht.
Esporles zieht sich an einem Bachlauf durch ein Tal und besteht aus den gewachsenen Teilen Vila Vella, Vila Nova und Sa Vileta sowie neueren Wohnlagen am Rand. Im 19. Jahrhundert lebte der Ort von Textil und Papier, nicht vom Tourismus – 1871 wurde die Baumwollweberei Son Tries gegründet, dazu kamen mehrere kleinere Fabriken. Diese Herkunft hört man dem Ort bis heute an: Auf dem Platz wird Katalanisch gesprochen, und die Geschäfte richten sich nach den Einheimischen.
Außerhalb liegt Sa Granja, eine ehemalige arabische Alquería, nach 1229 kurzzeitig Zisterzienserhaus, später Herrensitz und seit 1968 als volkskundliches Museum zugänglich; 2025 wurde sie zum Kulturgut erklärt. Die neugotische Fassade der Pfarrkirche entwarf Anfang des 20. Jahrhunderts Gaspar Bennàssar. In Esporles wurde außerdem Catalina Homar geboren, die Verwalterin und Vertraute Erzherzog Ludwig Salvators.
Der GR 221 führt durch den Ort, und über den gepflasterten Camí des Correu geht es zu Fuß über den Berg nach Banyalbufar. Das Patronatsfest Sant Pere läuft vom 23. bis 30. Juni und endet mit einem Correfoc, einem Feuerlauf mit Teufelsgruppe – laut, voll und für eine ganze Woche prägend.
- Bekannt für
- Sa Granja, den Camí des Correu nach Banyalbufar und die Rolle als Pendlerort nach Palma.
- Gut zu wissen
- Wer die Gegend als ganzjährigen Wohnort prüft, fährt an einem Dienstag im November her, nicht an einem Sonntag im Mai. In Esporles sieht man den Unterschied zwischen Ausflugsort und Alltagsort am deutlichsten, weil hier beides direkt nebeneinanderliegt.
Orient
Dorf18 gemeldete Einwohner in einem Talkessel auf gut 450 Metern, erreichbar über eine einzige schmale Bergstraße.
Orient gehört zur Gemeinde Bunyola, liegt auf 452 Metern in einem geschlossenen Tal und hatte 2025 achtzehn gemeldete Einwohner; die meisten Häuser sind Zweitwohnsitze. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1233 in der Form Aurient, die Kirche Sant Jordi ist seit 1346 belegt, und im Tal liegen mittelalterliche Wasserstollen nach arabischem Vorbild.
Für Käufer ist die Schutzlage die wichtigste Information: Der Ortskern wurde 2010 als historisches Ensemble unter Denkmalschutz gestellt, der geschützte Bereich umfasst gut vier Hektar, und seit 2022 regelt ein Sonderplan, was an Fassaden und Gebäuden überhaupt geschehen darf. Das ist keine Empfehlung, sondern das maßgebliche Planungsinstrument – wer hier ein Haus umbauen will, plant nicht frei.
Bekannt ist Orient für eine Handvoll Restaurants, die sich am Wochenende mit Ausflüglern aus Palma füllen, während unter der Woche nichts los ist. Zu Fuß erreicht man in etwa einer Stunde das Castell d'Alaró auf dem Nachbarberg; an der Straße nach Bunyola liegt der Wasserfall Salt des Freu, der allerdings nur nach Regen wirklich fällt.
- Bekannt für
- Den denkmalgeschützten Ortskern im Talkessel und den Zustieg zum Castell d'Alaró.
- Gut zu wissen
- Die Straße von Bunyola herauf ist schmal, kurvig und am Wochenende voller Rennradgruppen; mit einem breiten Fahrzeug ist die Begegnung das Problem, nicht die Steigung. Am Wochenende ohne Tischreservierung heraufzufahren lohnt nicht, weil genau dieser Ausflugsverkehr die wenigen Plätze belegt.
Sa Calobra und Torrent de Pareis
NaturGut dreizehn Kilometer Serpentinen hinunter zu einer Kieselbucht und zum Ausgang der engsten Schlucht der Insel.
Die Straße Ma-2141 geht auf den Ingenieur Antoni Parietti Coll zurück, wurde zwischen 1928 und 1935 gebaut und 1933 eingeweiht. Sie überwindet auf gut dreizehn Kilometern rund 700 Höhenmeter, hat zwölf Kehren und den Nus de sa Corbata, eine Schleife, die sich selbst unterquert. Die Fahrbahn ist von Verkehr, Wetter und Steinschlag mitgenommen; der Consell de Mallorca hat ab Herbst 2025 eine Grundsanierung mit einem Budget von rund drei Millionen Euro angesetzt. Zu den Zahlen der Straße kursieren mehrere Varianten – die Größenordnung stimmt, die Nachkommastellen sollte man niemandem glauben.
Unten liegt der Weiler Sa Calobra, der wie Cala Tuent zur Gemeinde Escorca gehört: 199 Einwohner auf 139 Quadratkilometern, davon knapp fünfzig im Bereich Cala Tuent und Sa Calobra. Durch zwei Felstunnel gelangt man vom Ort zur Mündung des Torrent de Pareis. Die Schlucht misst ab dem Zusammenfluss s'Entreforc 3,3 Kilometer, ihre Wände stehen stellenweise mehrere hundert Meter hoch, und sie ist seit 2003 zusammen mit dem Gorg Blau und dem Gebiet um Lluc als Naturdenkmal geschützt. Seit 1963 findet an der Mündung am ersten Julisonntag ein Chorkonzert statt, weil die Akustik dort außergewöhnlich ist.
Die Durchquerung von oben nach unten dauert fünf bis sechs Stunden, verlangt Klettern über Felsstufen und stellenweise Schwimmen durch Becken. Sie ist realistisch nur im Sommer und nur nach längerer Trockenheit möglich; nach starkem Regen bleibt die Klamm gut zehn Tage unpassierbar, und sie füllt sich bei einem Gewitter in den Bergen innerhalb von Minuten, auch wenn unten die Sonne scheint.
- Bekannt für
- Die Serpentinenstraße mit dem Nus de sa Corbata und die Durchquerung des Torrent de Pareis.
- Gut zu wissen
- Für Reisebusse gilt seit 2017 ein Tageskontingent mit Anmeldung am Vortag; eine Beschränkung auch für Privatfahrzeuge wird auf der Insel diskutiert, ist aber nicht beschlossen – prüfen Sie das kurz vor der Fahrt. In die Schlucht gehen Sie nur mit aktueller Wettervorhersage, festem Schuhwerk und in Begleitung, und Sie verlassen sich dort nicht auf Handyempfang.

Die Felsen von Sa Calobra aus der LuftFoto: Andreas Geissler · Pexels

Kaufen in der Tramuntana: Bestand, Genehmigung, Zufahrt
Die Serra de Tramuntana ist der am stärksten regulierte Teil der Insel. Große Flächen sind seit dem balearischen Naturraumgesetz von 1991 als ANEI ausgewiesen, Teile davon mit höherer Schutzstufe, und seit 2011 steht das ganze Gebirge als Kulturlandschaft auf der Welterbeliste. Geschützt ist damit nicht nur das Gebäude, sondern der Zusammenhang aus Terrassen, Trockenmauern, Wasserläufen und Ortsbild. Auf unbebautem rústico ist Wohnungsneubau im Grundsatz nicht vorgesehen; gekauft wird hier fast immer Bestand. Zulässig sind in der Regel Instandsetzung und behutsame Sanierung legal errichteter Bauten, die Erneuerung von Trockenmauern und alten Bewässerungssystemen, neue Haustechnik hinter unveränderter Fassade und Photovoltaik auf bestehenden Dächern, solange sie nicht über den First hinausragt. Nicht zulässig sind zusätzliche Geschosse, Anbauten über das Genehmigte hinaus, Abriss mit Neubau in anderer Form und das Verfüllen von Terrassen. Zeitlich gilt als Faustregel: eine obra menor in Wochen, eine licencia mayor eher in sechs bis zwölf Monaten oder länger, bei denkmalgeschützten Objekten deutlich mehr. Einzelne Ortskerne wie Orient haben zusätzlich eigene Sonderpläne.
Am Objekt selbst entscheiden vier Fragen über den Kauf. Erstens: Ist alles, was dort steht, auch genehmigt und eingetragen? Abweichungen zwischen Grundbuch, Katasterplan und gebauter Wirklichkeit sind im alten Bestand die Regel, und ein nicht genehmigter Anbau blockiert später auch eine Vermietungslizenz. Zweitens die Zufahrt: Wem gehört der Weg, ist ein Wegerecht eingetragen, und kommt ein Möbelwagen, ein Betonmischer oder ein Rettungswagen bis ans Haus – und wo wendet er dort. Drittens das Wasser: Viele Häuser hängen nicht am Netz, sondern an Zisterne und Brunnen; Volumen, Zulauf, Wasserqualität und die Kosten einer Lieferung im August gehören in die Prüfung, nicht in die Hoffnung. Viertens die Bausubstanz: Bruchsteinwände ohne Sperrschicht ziehen Feuchtigkeit, alte Elektrik ist selten dokumentiert, und ein Haus, das im Mai überzeugt, sieht im Februar anders aus. Besichtigen Sie deshalb im Winter oder lassen Sie sich Fotos aus der nassen Jahreszeit zeigen.
Bei der Lage unterscheiden sich die Orte deutlicher, als die Karte vermuten lässt. Sóller ist der einzige Ort mit voller Infrastruktur, hat seit Frühjahr 2026 aber eine kameraüberwachte Umweltzone im Zentrum, die auch die Fahrt zur eigenen Haustür betrifft – den Anwohnerstatus klärt man vor dem Notartermin, nicht danach. Esporles und Bunyola sind Pendlerorte mit ganzjährigem Betrieb und rund zwanzig Minuten nach Palma. Valldemossa und Deià sind international geprägt, in Valldemossa sind knapp fünfzehn Prozent der Gemeldeten Ausländer, und beide Orte haben im Sommer Durchgangsverkehr direkt vor der Tür. Orient, Fornalutx, Banyalbufar und Estellencs sind ruhig und liegen jeweils eine Bergstraße von allem Praktischen entfernt. Wer auf Ferienvermietung setzt, sollte wissen, dass eine Lizenz an der Immobilie und an dem hängt, was die Gemeinde in ihrer Zonierung zulässt, nicht am Wunsch des Käufers: Lassen Sie sich die Lizenznummer zeigen und den Bestand behördlich bestätigen, bevor Sie mit Einnahmen planen.
Objekte ansehenFrage stellenSuchanfrage anlegenWoher die Angaben stammen
- Katalanische Wikipedia, Gemeinde- und Ortsartikel der Serra de Tramuntana (Einwohnerzahlen Stand 2025)
- Katalanische Wikipedia, Cartoixa de Valldemossa, Son Marroig, Caterina Tomàs, Juníper Serra
- Katalanische und spanische Wikipedia, Ferrocarril de Sóller, Tramvia de Sóller, Túnel de Sóller
- Spanische Wikipedia, Faro de Cap Gros
- Deutsche Wikipedia, Valldemossa, Deià, Banyalbufar, Esporles
- Katalanische Wikipedia, Ruta de Pedra en Sec (GR 221), Barranc de Biniaraix, Torrent de Pareis, Puig Major, Escorca
- Katalanische Wikipedia, Àrea Natural d'Especial Interès (Llei 1/1991)
- Mallorca Magazin, Mautfreigabe des Sóller-Tunnels, Dezember 2017
- Mallorca Magazin, geplante Sanierung der Straße nach Sa Calobra, Januar 2025
- We love Mallorca, Buskontingent für die Straße nach Sa Calobra
- Die Inselzeitung und Mallorca Magic, Umweltzone und Parkregelung in Sóller, 2026
- Inselradio Mallorca, Ausweitung der kostenpflichtigen Parkzonen in Valldemossa
- Mallorca Services, Zufahrtsschranke zur Cala Deià
- mallorca.com, Ratgeber zu Bauen und Sanieren in der Serra de Tramuntana
- Mallorca Majorca, Beschreibung der Durchquerung des Torrent de Pareis
- Eigene Nachrechnung aller Entfernungen aus den Koordinaten
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- Andreas Geissler
- Cristhian David Duarte
- Guerrero De la Luz
- Ira
- Lars H Knudsen
- Lisette Harzing
- Margo Evardson
- Raymond Petrik
Öffnungszeiten, Zufahrtsregeln und Buslinien ändern sich. Der Guide nennt sie nur dort, wo sie belegt sind, und sagt sonst, worauf zu achten ist. Stand dieser Seite: 24.09.2026. Wenn Ihnen etwas auffällt, das nicht mehr stimmt, schreiben Sie mir.