Zum Inhalt springen
Porto Cristo zwischen Klippen und Meer

Foto: Andreas Geissler · Pexels

Inselguide · Region

Der Osten

Der Osten ist die flachere Hälfte Mallorcas: niedrige Berge, weite Felder, eine Felsküste mit engen Buchten. Zwischen Artà und Felanitx liegen Landstädte mit ganzjährigem Leben, an der Küstenkante Ferienorte, die von November bis März weitgehend schließen. Dieses Kapitel nennt beides.

Der Osten ist die flachere Hälfte der Insel. Statt eines Gebirges gibt es die Serres de Llevant, einen Höhenzug mit Gipfeln zwischen 400 und gut 550 Metern; der höchste ist die Talaia Freda im Massís d'Artà mit 562 Metern, danach kommen der Bec de Ferrutx mit 522 und der Puig de Sant Salvador über Felanitx mit 510 Metern. Dahinter liegt eine Ebene aus Mandel- und Getreidefeldern, Trockenmauern und alten Windrädern, die einmal Wasser gefördert haben. Die Küste ist kein durchgehender Strand, sondern eine Felskante mit Einschnitten: enge Calas, dazwischen kilometerweit nichts.

Verwaltungstechnisch heißt der Osten Llevant und besteht aus Artà, Capdepera, Manacor, Sant Llorenç des Cardassar und Son Servera. Dieses Kapitel nimmt Felanitx und Portocolom dazu, obwohl beide zum Migjorn gerechnet werden — wer von Manacor nach Süden fährt, merkt an der Landschaft keinen Bruch. Die Orte liegen in zwei Reihen: die Landstädte im Inneren, ihre Häfen und Ferienorte an der Küste, jeweils fünf bis fünfzehn Kilometer entfernt. Manacor allein verwaltet 27 Kilometer Küstenlinie.

Wirtschaftlich hängt die Gegend an drei Dingen, die wenig miteinander zu tun haben: Landwirtschaft im Hinterland, Möbelbau und Kunstperlen in Manacor, Tourismus an der Kante. Das Nebeneinander kann man sehen. Manacor ist eine Arbeitsstadt mit Gewerbegebieten und Kreisverkehren, vierzehn Kilometer weiter liegt Porto Cristo mit Fischereihafen und Reisebussen. Artà im Norden ist der Gegenpol zu Manacor: kleiner, steiler gebaut, mit Galerien und Werkstätten statt Lagerhallen.

Unterwegs sind hier drei Gruppen, die sich kaum begegnen. An der Ostspitze um Cala Ratjada und in Cala Millor stehen die größten Hotelorte der Küste, überwiegend deutschsprachig belegt und auf Halbpension eingestellt. In den Höhlen bei Porto Cristo und Canyamel wird der Tagesausflugsverkehr der halben Insel abgewickelt, mit Reisebussen, die sich vormittags vor den Eingängen stauen. Und im Hinterland zwischen Felanitx, Manacor und Artà fahren im Frühjahr und Herbst Rennradgruppen, weil die Ebene lange Runden erlaubt und Sant Salvador und Santueri zwei ernsthafte Anstiege sind.

Zwischen August und Januar ist das nicht dieselbe Gegend. Orte mit Einwohnern laufen durch, reine Ferienorte machen zu — nicht nur die Hotels, sondern die Läden, Bars und Mietwagenschalter gleich mit. Wer aus der Serra de Tramuntana kommt, findet den Osten unspektakulärer. Wer aus Palma kommt, findet ihn leerer. Beides stimmt.

Für wen
Passt für Leute, die Alltagsinfrastruktur ohne Großstadt wollen: Manacor hat Krankenhaus, weiterführende Schulen, Baumärkte und Bahnanschluss, ans Meer sind es zwanzig Minuten, und für Segler ist Portocolom ganzjährig nutzbar. Passt nicht für alle, die abends häufig in Palma sein wollen oder im Winter Betrieb erwarten.
Anreise
Vom Flughafen Palma führt die Ma-15 quer über die Insel nach Manacor, rund 50 Kilometer; bis an die Küste sind es je nach Ort 65 bis 80 Kilometer, und die letzte Etappe auf den einspurigen Küstenstraßen ist in der Hochsaison die langsamste. Ohne Auto geht es nur eingeschränkt: Die Bahnlinie T3 endet in Manacor, weiter fährt der Bus, die alte Strecke nach Artà ist seit Jahrzehnten stillgelegt.
Im Winter
Orte mit Einwohnern laufen durch — Manacor, Felanitx, Artà, Capdepera, Porto Cristo, Portocolom —, reine Ferienorte wie Cales de Mallorca, Cala Romàntica oder Sa Coma schließen von November bis März fast vollständig, samt Läden, Bars und Mietwagenschaltern. Wer hier kaufen will, sollte den Ort einmal im Januar gesehen haben, nicht nur im August.
Porto Cristo zwischen Klippen und Meer
Porto Cristo zwischen Klippen und MeerFoto: Andreas Geissler · Pexels

Orte im Der Osten

Kaufen im Osten: vier Lagen, die man nicht verwechseln sollte

Erstens die Landstädte — Manacor, Felanitx, Artà, Capdepera, Son Servera, Sant Llorenç: Stadthäuser in geschlossener Bauweise, Sandstein, Innenhof, oft sanierungsbedürftig, dafür mit vollständiger Alltagsinfrastruktur und ganzjährigem Leben. Manacor hat Krankenhaus, weiterführende Schulen, Gewerbe und Bahnanschluss, Artà mehr Zugezogene und weniger Verkehr, Felanitx den landwirtschaftlichen Charakter. Die Themen sind bei Stadthäusern überall dieselben: aufsteigende Feuchte im Erdgeschoss, Statik nach Kernsanierungen in der Häuserzeile, Ortsbild- oder Denkmalschutz in den Altstadtkernen, und die Frage, ob Dachterrasse oder Pool an dieser Stelle überhaupt genehmigungsfähig sind.

Zweitens die gewachsenen Hafenorte Porto Cristo, Portocolom und Cala Ratjada: kleinteilige Bebauung, viele Häuser aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in Portocolom mit den schützenswerten barraques am Wasser. Alle drei haben eine echte Einwohnerschaft — in Portocolom heißt das aber auch, dass im Winter wenig offen ist, und in Cala Ratjada, dass die Straßen um den Hafen im Sommer bis spät laut sind. Drittens die Anlagenorte Cales de Mallorca, Cala Romàntica, Cala Marçal, s'Illot, Sa Coma und Cala Millor: überwiegend Apartments und Reihenhäuser aus den sechziger bis achtziger Jahren, gebaut für den Saisonbetrieb. Wer hier mit Sommervermietung plant, muss vorher klären, ob für die Einheit eine Ferienvermietlizenz überhaupt erteilt werden kann. Das hängt an der Zonierung des Consell de Mallorca und bei Mehrfamilienhäusern zusätzlich an der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft; ohne Lizenz ist die Vermietung an Urlauber nicht zulässig und wird verfolgt. Und im Winter steht der Ort leer, auch wenn die Wohnung schön ist.

Viertens das Hinterland, die Fincas auf Agrarland zwischen Felanitx, Manacor und Artà. Dort entscheidet mehr als anderswo, was rechtlich zulässig ist: Mindestgrundstücksgröße für einen Neubau, Legalisierungsstand der vorhandenen Bauten, Strom- und Wasseranschluss oder ein genehmigter Brunnen, Zufahrt über fremden Grund mit eingetragenem Wegerecht. Ein Haus, das steht, ist auf Mallorca nicht automatisch ein Haus, das legal steht — die Auskunft der Gemeinde und ein Blick ins Kataster gehören vor jede Zusage. Küstennähe hat im Osten außerdem eine physische Seite: Die Überschwemmung von 2018 in Sant Llorenç und s'Illot und der Sandabtrag durch Sturm Gloria 2020 sind dokumentiert, und Lagen an Torrents oder in erster Reihe prüft man anhand der Hochwasser- und Küstenschutzkarten, nicht nach Gefühl. Preise nenne ich hier bewusst keine: Sie veralten schneller, als ein Regionskapitel aktualisiert wird, und zwischen einem Stadthaus in Felanitx und einer Wohnung am Hafen von Cala Ratjada liegen ohnehin Welten.

Objekte ansehenFrage stellenSuchanfrage anlegen

Woher die Angaben stammen

  • Consell de Mallorca (Zonierung für Ferienvermietung)
  • Ajuntament de Manacor und das städtische Tourismusportal Visit Manacor (Wochenmarkt)
  • Ajuntament de Felanitx
  • Ajuntament d'Artà
  • Ajuntament de Capdepera
  • Cuevas del Drach, Betreiberangaben zu Führungszeiten und Tickets
  • Coves dels Hams, Betreiberangaben
  • Coves d'Artà, Betreiberangaben
  • TIB – Transport de les Illes Balears (Bahnlinie T3 Palma–Manacor, Buslinien im Llevant)
  • Govern de les Illes Balears (Naturpark Halbinsel Llevant, Schutzgebiet Punta de n'Amer)
  • Wikipedia in deutscher, katalanischer und englischer Fassung zu Manacor, Felanitx, Portocolom, Porto Cristo, Artà, Capdepera, s'Illot, Serres de Llevant, Castell de Santueri und Sant Salvador
  • Mallorca Magazin (Berichte zur Winteröffnung der Hotels und zum Zugangsstreit an der Cala Varques)
  • Rafa Nadal Academy (Akademie und Museum in Manacor)
  • Eigene Ortskenntnis aus der Maklerpraxis im Osten der Insel

Bildnachweis

Alle Fotos auf dieser Seite stammen von Pexels und stehen unter der Pexels-Lizenz. Sie liegen auf dem Server dieser Seite, es wird nichts von fremden Servern nachgeladen. Die vollständige Liste steht im Impressum.

  • Andreas Geissler
  • Artem Zhukov
  • Joanna Zduńczyk
  • Joerg Hartmann
  • Petr Slováček

Öffnungszeiten, Zufahrtsregeln und Buslinien ändern sich. Der Guide nennt sie nur dort, wo sie belegt sind, und sagt sonst, worauf zu achten ist. Stand dieser Seite: 24.09.2026. Wenn Ihnen etwas auffällt, das nicht mehr stimmt, schreiben Sie mir.